Bens Bienen

Neue Beuten!

Mehr Kisten braucht der Imker! Ab sofort baue ich die selbst. Warum und welche Kisten ich baue, findet sich hier.

Bisher hatte ich Dadant 12er Beuten und Mini Plus im Einsatz. Als ich damals anfangen hatte gefiel mir das Konzept des geschlossenen Brutnestes sehr gut und bei den Dadantkisten war das, so zu sagen, von Anfang dabei. Inzwischen gibt es mit Deutsch Normal 1,5 auch andere Formate, aber warum nicht beim Original bleiben wenn man noch nichts anderes hat.

Mini Plus kam dann quasi aufgrund diverser Bücher und Überlegungen zur Königinnenzucht. Haste Dadant, nimmste Mini Plus, vereinfacht ausgedrückt.

Ihren Zweck bei der Königinnenzucht erfüllen die Mini Plus Kisten auch gut, aber der Umgang damit nervt mich doch ziemlich. Hat man bei einer Großraumbeute wie Dadant nur wenige (Brutraum-) Rähmchen, so ist das bei Mini Plus aufgrund der kleinen Rähmchengröße das genaue Gegenteil. Wenn man dann auf der Suche nach der Königin ist oder andere Eingriffe im Volk vornehmen muss, durchsucht man bei Miniplus gerne mal 20 bis 30 Rähmchen, muss mehrere Zargen wegstellen und bringt deshalb immens Unruhe ins Volk. Die Bienen danken einem dass dann, zu Recht, mit dem ein oder anderen Stich. Dabei lernt man dann auch das ein Imkeranzug nicht hundertprozentig stichfest ist!

Mir war damit schnell klar: die Mini Plus Kisten fliegen wieder raus. Im Laufe des Jahres habe ich dann ein Volk nach dem anderen von Mini Plus in große Kisten umgesiedelt.

Allerdings zeigte sich auch, dass mir die Dadantkisten nicht 100%ig gefallen. Insbesondere der Bedarf an Lagerplatz stört mich. Ich habe keinen Keller im Haus und der Dachboden ist nicht isoliert, bzw. es gibt eben nur zwischen Obergeschoss und Dach eine Isolierung - das eigentliche Dach sitzt da nur auf und wenn die Sonne drauf knallt habe ich dort eine Sauna. Ausgebaute Honigräume kann ich da nicht lagern, zumindest nicht, wenn sie nach dem Sommer immer noch ausgebaut sein sollen. Auch ums Haus rum habe ich nur einen Grünstreifen.

Es fehlt mir also schlicht der Platz um die Honigräume der Dadantbeuten zu lagern, wenn sie nicht im Einsatz sind. Außerdem nervt das hin- und herkurven der Honigräume auch ziemlich. Meist besteht das 'zu den Bienen' gehen mehr aus 'Material ins und aus dem Auto' laden als die eigentliche Arbeit an den Völkern.

Hinzu kommt das heben der Honigräume an und für sich. Bei der Schwarmkontrolle muss ich jedesmal mehrere Honigräume herunterheben, selbst mit den Halbrähmchen die Dadant verwendet, geht das ganz schön auf den Rücken. Die Bienen finde das dass ebenfalls nicht so prickelnd, wenn plötzlich das Dach samt Honigvorräten davon schwebt und statt desen ein stinkendes Säugetier seine Nase in die Beute steckt. Wenn gute Tracht herrscht ist das kein Problem, da haben die Bienen bessers zu tun als den Imker über die Wiese zu scheuchen, aber zum Spätsommer hin ist dann doch mal Alarmstimmung.

Alles nicht optimal, also habe ich mich entschlossen eigenen Beuten zu bauen. Passend für Dadantbrutraum-Rähmchen, aber eben breiter als ein normaler Dadant Brutraum. Statt zwölf gehen 29 Rähmen in den Kasten. Etwas besser isoliert ist er auch und der Boden ist geschlossen.

Die Beuten an und für sich gefallen wir gut, kein schweres heben mehr, kein 'haben die Bienen schon den HR angenommen', füttern in dem man einfach einen Eimer mit Zuckerwasser im Ganzen hinter das Trennschied stellt. Platz zum Lagern von einigen Rähmchen ist auch noch und die Bienen temperieren die Kiste so, dass die Anfangssteifen in den Rähmchen nicht schmelzen. Züchten geht auch darin gut, weil der Boden der Beute an Vorder- und Rückseite Fluglöcher hat um man so auch Anbrüter gut erstellen kann, in dem man einfach die Königin samt Brutwaben ans andere Ende der Kiste schiebt, ein Trennschied einhängt und ein weiteres Flugloch auf der Rückseite aufmacht.

Soweit so gut, aber noch nicht ideal. Der Innendeckel und der Stüpldeckel darüber sind jetzt recht schwer und unhandlich. Für mich gerade so in Ordnung, für meine Frau oder gar die Kinder ziemlich unhandlich. Außerdem bleibt immer noch das Problem, dass man die Rähmchen vobereiten und am Ende wieder einschmelzen muss.

Also zurück ans Zeichenbrett, bzw. die Arbeitsoberfläche von Free-CAD und überlegt wie ich einen Klappdeckel auf die Beuten bekomme. Vom hundersten kommt man dabei ins Tausende und aus der vermeintlich einfachen Aufgabe einen Klappdeckel zu entwerfen, entwickelt sich das zu einer kompletten Neukonstruktion der Beute.

Einer der Zwischenschritte war z.B. ein vollkommen isolierte Beute wie Dr. Leo Sharashkins Layens Beuten. Die Beuten sind aufwendig zu bauen, 20 Holzplatten für Innen- und Außenwände, eine Unzahl an Dachlatten und mehr Schrauben als die Titanic Nieten hatte. Nein, wenn ich das so machen würde wäre ich Schreiner, kein Imker, weil zu zu den Bienen käme ich nicht mehr.

Zufällig viel mir dann auf Twitter Alztalimker mit seinen Bienenbarken auf. Eine Bienenbarke ist im Prinzip eine sogenannte Oberträgerbeute. Einfach zu bauen, und wie mir Alstalimker auf Nachfrage verriet war der Hauptgrund, dass man sich dort nicht mir Rähmchen rumärgern musste.

Von Oberträgerbeuten hatte ich schon gehört, die aber geistig irgendwie ausgeblendet, weil das etwas Abseits vom Imker-Mainstream liegt. Allerdings war mein Interesse geweckt und ich habe mich weiter informiert. Phil Chandlers Bücher helfen da weiter, auch das Buch und die umfangreiche Webseite von Guido Frölich sind sehr gut. Als ich dann auch noch einen Berufsimker namens Dr. Wyatt A. Mangam aus den USA fand der 200 Völker in Oberträgerbeuten hält war klar: Das kann auch in größeren Rahmen funktionieren.

Ich musste noch ein paar geistige Runden drehen, bis ich einen Bauplan für meine Beuten hatte. Immerhin gibt's bei Oberträgerbeuten mehr zu entscheiden als bei Magazinbeuten. Bei letzteren gibt letztlich die Rähmchengröße auch gleich die Ausmaße der Beute vor. Bei den Oberträgerbeuten liegt es an mir wie hoch und breit die Beute sein soll, welchen Winkel die Seitenwände bekomme und wo das Flugloch hin kommt. Overengineering hat sich zwischendurch auch mal eingeschlichen, aber letztlich habe ich die Beuten dann so geplant, dass ich möglichst wenig Verschnitt bei den Oberträgern produziere und meine vorhandenen zehn Liter Futtereimer rein passen.

Mehr oder minder zufällig entspricht dass ziemlich genau den Beutenmaßen von Dr. Mangum. Fluglochanordnung und Deckel richtet sich mehr nach den Bauanleitungen von Phil Chandler, aber letztlich passt dass dann so wie ich das haben will.

Der erste Prototyp ist jetzt gerade in Entstehung und es zeigt sich, dass sich diese Beuten ein ganzes Stück schneller und einfacher als meine Dadant-Lagerbeuten bauen lassen. Generell eroffe ich mich von den Oberträgerbeuten auch dass ich weniger Material transportieren muss. Rähmchen fallen ja quasi weg, Futterzargen gibt's auch keine, Anflugbretter auch nicht, alles Kram denn ich nicht zu den Bienen fahren muss. Irgendwann will ich das soweit haben, dass ich mit dem E-Bike von Stand zu Stand fahren kann. Dafür brauche ich aber noch eine Lagerkiste an jedem Stand für Schleier, Werkzeug und Smoker - und ein E-Bike.

Hier noch zwei Fotos vom ersten Prototyp. Die Farbe ist, laut Packung übrigens Bordeaux-Rot von Lixum. Ich würde das eher 'Matsch-Braun' nennen aber gut wenn die Farbe alle ist probiere ich mal Auro Aqua 160.

Nachtrag vom 14. Januar 2021
Das ganze gibt's jetzt auch in kürzer Form als Youtube Video: https://www.youtube.com/watch?v=quBvTktxX3I


Veröffentlicht:
Sonntag, 25. Oktober 2020