Bens Bienen

Bau einer Oberträgerbeute

Ich baue meine Oberträgerbeuten aktuell selbst. Ich habe im Keller meiner Eltern eine kleine Werkstatt - vielleicht 20 Quadratmeter Grundfläche. Als Werkzeug nutze ich einen Akkuschrauber, eine Bohrmaschine, eine Tischkreissäge der Mittelklasse (Bosch PTS10), eine Kappsäge (Metabo KGS 254 glaube ich) und eine Bandsäge (Metabo BAS 261).

Das schöne an einer Oberträgerbeute ist, dass es nicht so auf Präzision ankommt. Rähmchen gibt's ja keine, also muss ich auch nicht darauf achten, dass exakt 8mm +/- 2mm Platz um die Rähmchen rum ist.

Meine Werkstattausstattung ist in der Hinsicht schon vergleichsweise luxuriös, auch wenn ein richtiger Schreiner nur müde lächelt wenn er die Werkzeuge sieht. Die Werkzeuge, mit Ausnahme der Bandsäge, hatte ich schon, da ich auch gerne holzwerke. Wenn man mehrere Beuten bauen will, lohnen sich solche Maschinen auch, da man einfach schneller ist und es mehr Spaß macht, aber prinzipiell geht das auch mit einem Fuchsschwanz und einer Handkreissäge.

Material

Holzplatten

Ich lasse mir im Baumarkt folgende Holzplatten zurecht schneiden.
Anzahl Material Abmessungen Verwendung
2 Leimholz Fichte, 27 mm 540 mm x 380 mm Stirnflächen
2 Leimholz Fichte, 27 mm 1200 mm x 330 mm Die langen Seiten (schräg gestellt)
1 Leimholz Fichte, 27 mm 1200 mm x 290 mm Der Boden der Beute, wird noch auf der Tischkreissäge bearbeitet.
1 Multiplex 12 mm 1400 mm x 700 mm Das Klappdach
1 Multiplex Birke, 21 mm 900 mm x 280 mm Daraus werden die Schiede geschnitten.

Kantholz

Ich nutze für die Beute ausschließlich 58mm x 38mm Kantholz. Für die Böcke kommen noch Dachlatten und dickere Kanthölzer dazu, aber die Konstruktion der Böcke beschreibe ich auf deren Seite.
Anzahl Länge Verwendung / Anmerkung
2 1330mm Die Dachauflage am Grundkörper
2 1254mm Unterkonstruktion Dach, lange Seiten
2 616mm Unterkonstruktion Dach, kurze Seiten
30+ 490mm Die Oberträger

Metallteile

Anzahl Was Verwendung / Anmerkung
1 Verzinktes Eisenblech; 1420mm x 720mm x 0,5mm Wetterschutz für das Dach. Ich bestelle das bei Hornbach im Onlineshop und lass es mir zuschicken. Die Versandkosten sind mit 9 Euro zu verschmerzen.
3 Messing Scharniere, 100/70 Die Scharniere für den Deckel.
2 Kistenverschlüsse, ca. 9cm Länge Die halten den Deckel zu, so dass auch bei Sturm nichts aufklappt.
2 Schraubösen Zur Befestigung der Kette.
2 Karabiner Zur Befestigung der Kette.
1 Kette, ca. ein Meter. Für das Dach.

Sonstiges

Anzahl Was Verwendung / Anmerkung
3 Leinentuch, ca 900mm x 60mm Die Dichtlippe für die Schiede
16 Spax Schrauben, 5x80, Torx-Antrieb Zum verschrauben der Stirnteile mit den Seitenteilen.
viele Spax Schrauben, 4x60 / 4x50, Torx Antrieb
wenig Bienenwachs Zum Tränken der Dichtlippen
etwas Holzleim, D4
750ml Auro Aqua 160 Farbe Auro Aqua 160 ist von den Bioverbänden zugelassen.

Konstruktion

Grundkörper

Ich habe eine Bauhilfe erstellt mit der sich der Grundkörper einfacher zusammen schrauben lässt. Zwei Multiplexplatten wurden auf die Innenmaße der Beute gebracht, also 440mm oben, 240mm unten, 280mm Höhe. Das ergibt dann einen Außenwinkel von ca. 70 Grad. Das wiederum wurde auf zwei 38mm x 58mm Kanthölzer geschraubt. Die Materialien dafür sind in der oberen Liste nicht enthalten, da das Gerüst ja nicht Teil der Beuten ist.

Auf dies Konstruktionshilfen werden die langen Teile des Beutenkörpers gelegt und die kurzen Teile werden von der Seite angeleimt und angeschraubt.

Ich bohre die Schrauben in diesem Fall vor, damit es auch gerade wird. Ich verwende hierfür 5x80iger Universalschrauben von Spax mit T-Star Antrieb sowie Ein-Komponenten D4 Holzleim von Leimwerk.

Die Bodenplatte säge ich auf der Tischkreissäge auf das passende Maß. Dazu wird die Säge, ebenfalls mit der Konstruktionshilfe auf den richtigen Winkel gestellt und anschließend wird das Bodenbrett so abgesägt, dass es auf der langen Seite 240mm hat. Die lange Seite ist dann natürlich die Innenseite des Bodens. Die abgeschnittenen Leisten habe ich mir aufgehoben und nutze sie als Einstellhilfe. So muss ich bei zukünftigen Beuten nicht mehr mühsam abmessen, sondern kann die Tischkreissäge einfach darüber einstellen.

Der Boden wird in die Beute gelegt und mit einem Gummihammer davon überzeugt dass er nach unten will. Das ergibt dann den 280mm hohen Innenraum - zumindest einigermaßen, ein Gummihammer ist nicht unbedingt ein Präzisionsinstrument, entsprechend weicht es hier und da mal etwas ab. Aber wie oben erwähnt, das ist ja das schöne an der Beute, man muss kein Schreiner sein um das zusammen zu bekommen.

Der Boden wird ebenfalls eingeleimt und mit 4x50iger Schrauben gesichert. Ich habe mit Absicht einen geschlossenen Boden. Varroakontrolle mache ich mittels Puderzucker, ein geschlossener Boden ist konstruktiv einfacher und ich denke den Bienen ist es lieber wenn in ihrem zu Hause kein riesiges Loch drin ist. Allerdings haben sie bisher noch keine offizielle Erklärung diesbezüglich abgegeben, ist also nur meine Vermutung. Andere Imker haben da andere Meinungen dazu.

Wenn der Winkel des Bodens nicht ganz passt, bleibt auf der Unterseite manchmal ein kleine Fuge. Diese fülle ich mit Holzleim und presse Sägemehl hinein. So kann man kleinere Fehler ausbessern und muss sich beim Sägen des Bodens keine Gedanken machen, wenn's nicht 100%ig passt.

Als letzter Schritt werden noch die Auflagehölzer angeleimt und angeschraubt. Auf diesen Kanthölzern steht das Dach auf und die Scharniere und Deckelverschlüsse werden angeschraubt. Das Dach steht überall etwas über, so dass, wenn doch mal Wasser daran entlang laufen solle, diese an den Kanten abtropft und nicht auf die Oberträger kommt.

Der Grundkörper ist damit soweit fertig. Jetzt kann man die Fluglöcher bohren. Ich bohre aktuell drei Fluglöcher mit 22mm Durchmesser. Das ergibt etwa 10cm2 Flugloch und entspricht dem was Phil Chandler nutzt. In die 22mm Löcher passen Weinkorken sehr gut rein. In unbenutztem Zustand haben die nämlich 24mm Durchmesser. Sie sitzen also gut, aber man kann sie noch von Hand eindrehen.

Das erste Flugloch bohre ich 10cm von der Stirnseite, jedes weitere dann in 6cm Abstand zum Vorhergehenden.

Ob das generell passt, sehe ich erst wenn die ersten Bienen in der Kiste sind - weiter Fluglöcher sollten sich aber mittels Akkuschrauber oder Handbohrer fix nachrüsten lassen.

Der Deckel

Ein wichtiger Punkt bei den Überlegungen, war der Deckel. Ich habe aktuell einige Dadantlagerbeuten im Einsatz, deren Deckel ist mit ca. 110x60cm ziemlich schwer und unhandlich. Dieses umständliche herum wuchten des Deckels war quasi der Startschuss für die Überlegungen, welche mich am Ende zur Oberträgerbeute führten.

Ich wollte deshalb einen Klappdeckel den ich nicht von der Beute heben musste und der, auch ohne Gurte oder Stein, auf der Beute liegen blieb.

Das Dach selbst besteht letztlich aus einer Unterkonstruktion, an welcher später die Scharniere und die Kofferschnallen geschraubt werden, sowie einer Multiplexplatte.

In die zwei kurzen Seiten der Unterkonstruktion kommt in der Mitte am oberen Rand ein 22iger Loch. Das soll verhindern dass sich im Sommer die Hitze unterm Dach stauen kann.

Die Unterkonstruktion wird wieder verleimt und verschraubt.

Die Multiplexplatte wird einfach auf die Unterkonstruktion geleimt und mit ein paar Schrauben fixiert.

Auf die Holzplatte wird später noch die Metallplatte als Wetterschutz aufgeschraubt. Ich hatte anfänglich mit Teichfolie, welche ich auch schon für meine Lagerbeuten nutzte, geliebäugelt. Das wäre einfacher zu verarbeiten und deutlich günstiger. Ich habe mich dann aber für die verzinkten Eisenplatten entschieden, da die sich im Fall der Fälle einfacher recyceln lassen.

Die Metallplatte ragt auf jeder Seite einen Zentimeter über die Holzplatte über. An den Ecken wird die Platte um diesen Zentimeter eingeschnitten und der Rand wird, wieder mittels Gummihammer überzeugt, dass er nach unten möchte. Die Metallplatte wird anschließend mit fünf Schrauben an der langen Seite und drei an der Kurzen verschraubt. Im Foto sieht man noch eine ältere Variante, inzwischen schneide ich das Eckstück nicht mehr heraus sondern lasse es an der langen Seite dran und biege es unter die kurze Seite.

Das Dach wird dann mittels drei Scharnieren am Grundkörper befestigt.

Bei meinen Dadantkisten habe ich den Deckel immer mit einem Spanngurt gesichert. Das war relativ nervig, da man die immer wieder runter fummeln musste wenn man an die Kiste wollte. Gerne stolperte man dann auch mal über das rumliegende Band. Deshalb habe ich bei den Oberträgerbeuten zwei Kistenverschlüsse genutzt. Die halten das Dach zuverlässig zu und sind nicht im Weg.

Zu guter Letzt, braucht es noch eine Kette, welche verhindert dass der Deckel zu weit aufklappt. Ich nutze zwei Schraubösen, sowie zwei Karabiner um die Kette zu befestigen.

Der Anstrich

Bei der Frage ob man eine Beute (außen) streichen sollte oder nicht, scheiden sich ja die Geister. Ich bin mir da auch unschlüssig. Ohne Anstrich wäre mit lieber, denn dass ist ein Arbeitsschritt weniger.

Ob es auch weniger kostet ist mir nicht ganz klar. Die Farbe die ich verwende ist recht teuer, aber wenn die Beute dafür zwei Jahre länger hält, sind die Kosten locker wieder drin.

Optik ist ein weiterer Punkt. Einige meiner Beuten sind für Publikum einsehbar. Da sieht so was Leuchtendes halt schöner aus, als graues Holz.

Bisher streiche ich meine Beuten. Ich überlege ob ich mal eine Testbeute ungestrichen lasse, oder dickeres Holz verwende, was entsprechend weniger empfindlich ist.

Die Oberträger

Die Oberträger säge ich aus 38x58 Kantholz. 38mm sind etwas mehr als die üblichen 35mm von Mittelwand zu Mittelwand. Wyatt Mangum und Bernhard Heuvel empfehlen prinzipiell 38mm. Es scheint also auch mit 38mm zu funktionieren und bietet mir den Vorteil, dass ich die Kanthölzer nicht noch auf 35mm runter hobeln muss. Ich länge die Kanthölzer mit der Kappsäge ab, schneide auf der Tischkreissäge zweimal einen 30 Grad Winkel an und säge dann auf mit der Bandsäge die Auflageflächen raus.

Die ersten Oberträger habe ich einfach mit einem Pinsel mit Wachs bestrichen, später habe ich mir dann eine Warmhalteplatte gekauft. Die ist eigentlich für Speisen gedacht, hat aber vom Format her die passende Größe für die Oberträger. In einer kleinen, aus Alufolie gebogenen Schale kann ich die Oberträger dann einfach eintauchen. Das geht wesentlich schneller. Ich überlege aber den Wachsstreifen ganz weg zu lassen. Michael Bush von Bushfarms spricht sich sogar dagegen aus. Mir würde das natürlich wieder Arbeit sparen. Ich schau mal wie das so funktioniert.

Ich nutze keine Abstandshölzchen. Guido Frölich rät davon ab und mir spart es Arbeit, wenn ich die nicht sägen muss.

Die Schiede

Ich nutze drei Schiede. Eins als linker Abschluss, eins als rechter Abschluss und eins als Trennschied.

Die Methode bietet meiner Meinung nach einige Vorteile. Der linke Abschluss sitzt nahe dem Flugloch. D.h. dort befindet sich das Brutnest. Ich kann also bei einer Schwarmkontrolle das linke Schied entfernen und bin gleich am Ort des Geschehens. Ich muss also nicht erst alle Honigwaben wegschieben und bin bei der Durchschnitt schneller und störe die Bienen weniger.

Das Schied ganz rechts, schließt den Raum nach Rechts ab. Dadurch brauche ich auch bei unterschiedlicher Zahl an Oberträgern kein genau passendes Brett um den Grundkörper ab zu schließen. Die Oberträger und die Schiede bilden also ein in sich geschlossenen Raum, den ich z.B. auch zum Füttern nutzen kann ohne Räuberei befürchten zu müssen.

Das dritte Schied funktioniert wie ein Trennschied bei Großraumbeuten. Es trennt den von den Bienen bewohnten Raum vom noch nicht genutzten Leerraum. Das Trennschied hat drei Löcher, so dass die Bienen in den Leerraum können, falls mal schlechtes Wetter ist. Beim Auffüttern steht der Futtereimer direkt hinter dem Trennschied, die Bienen können also durch die drei Löcher ans Futter.

Damit das Schied auch wirklich dicht ist, füge ich eine Dichtlippe an. Das ist ein wachsgetränktes Leinentuch, welches ich mit Tackernadeln befestige. Die Lippe gleicht die Ungenauigkeit aus, so dass man wieder nicht 100%ig genau sägen muss. Die im Bild gezeigte Variante war noch der erste Prototyp. Inzwischen tackere ich die Lippe nur noch auf einer Seite fest, dadurch spare ich mir Material und Wachs und die Lippe ist flexibler.

Hier noch ein Foto vom Trennschied mit den drei Löcher. Das Modell im Foto war zufällig so genau gesägt, dass es keine Lippe brauchte.

Befestigung am Beutenbock

Als Beutenbock verwende ich eine Variante der in diesem Youtube Video gezeigten Böcke. Es zeigt sich jedoch dass die Beute nicht 100%ig stabil auf dem Bock steht. Wenn das Dach aufgeklappt ist, steht die Beute etwas kippelig. Ein Kippen der Beute im geöffnetem Zustand wäre der Supergau. Also habe ich mich entschlossen die Beute an zuschrauben.

Bei der im Bild gezeigten Beute habe ich das noch mit zwei Winkeln erledigt, welche auf der rückwärtigen Seite angeschraubt wurden. Bei späteren Beuten habe ich das anders gelöst. Da gibt es ein Stück Dachlatte welches von unten in die Beute geschraubt ist und durch dessen Überstand dann eine Schraube in den Bock kommt. Dadurch spare ich mir die Metallteile und vor allem ist Schraube, welche in die Beute geht, nicht dem Regen ausgesetzt.

Die im Bild noch erkennbare Abrutschleiste, welche am Bock angebracht ist, fällt dann auch weg.

Fazit

Mit den Beuten bin ich so ganz zufrieden. Es wird sich vermutlich noch das eine oder andere ändern, wenn die Bienen erst mal in die Beuten ziehen, aber das sieht man dann. Aktuell freue ich mich auf den Einzug der Bewohner und stelle immer wieder fest, dass vieles doch einfacher wird mit diesen Beuten. So habe ich vor kurzem die Honigräume auf meine Dadantkisten gepackt. Das bedeutet ich musste etliche Zargen fertig machen, ins Auto laden und durch die Gegend fahren. Mit den Oberträgerbeuten wäre das alles weggefallen und ich hätte gemütlich mit dem Fahrrad von Stand zu Stand fahren können und hätte nur einen weiteren Oberträger vor das Schied packen müssen.


Veröffentlicht:
Montag, 12. April 2021